Getestet

Im Test: Ibis Oso

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Datum: 06.09.2023

Praxistest & Erfahrungen

Vollgas-Hippie

Das exotische Hinterbau-Design signalisiert sofort: Das Ibis Oso ist ein seltener Vogel. Und gleichzeitig ein sympathischer. Mit einem imponierend schluckfreudigen und laufruhigen Fahrwerk hat der Exote aus der Hippie-Hochburg Kalifornien das Zeug zum Traumbike.


Ein Ibis … Schon verrückt, zu welchen Assoziationen vier Buchstaben führen können. Plötzlich setzt sich der Ohrwurm «Mendocino» der kalifornischen Hippie-Band Sir Douglas Quintett im Gehörgang fest. Nicht ohne Grund. Hippie Scot Nicol war es, der Anfang der 1980er-Jahre nicht nur Gemüse und anderes Grünzeug in seinem Garten in Mendocino anbaute, sondern auch eine Bike-Marke gründete. Er benannte sie nach einem Vogel mit einem langen, krummen Schnabel. Ein ordentliches Stück des originellen und unkonventionellen Gründer-Spirits hat sich Ibis bis heute bewahrt. In Zeiten, in denen andere kalifornische Marken wie Gary Fisher oder Bontrager längst von Konzernen geschluckt wurden wie Krebse und Frösche vom Ibis Vogel, lebt Ibis Bikes immer noch den Traum einer unabhängigen kleinen Bike-Brand. Die Firma ist immer noch zu 100 Prozent im Besitz von Gründer Scot Nicol und vier weiteren Mitarbeitern. «Wir dienen keinem Konzernherrn!», heisst es auf der Website stolz.


Kettenstreben im Motorrad-Look

Nicht weniger stolz dürfte das Ibis Team auf seinen jüngsten Wurf sein: Das Oso ist der Einstieg der Kalifornier in das E-MTB-Segment. Und der ist zumindest ein Hingucker: Das Oso hat etwas von einem Motorrad. Das mag an den massiven, geschwungenen Kettenstreben liegen. Und ein wenig erinnert ihre Form an den Schnabel eines Ibisses. Auch wenn der Hinterbau auf den ersten Blick sehr ungewöhnlich erscheint, verbirgt sich technisch gesehen dahinter das bewährte, sensibel ansprechende Ibis DW-Link-System mit virtuellem Drehpunkt. Beim Antrieb des stabil und bullig wirkenden Bikes lässt Ibis nichts anbrennen und setzt auf den kräftigen und fein dosierbaren Bosch Performance CX Motor mit ausdauerndem 750-Wh-Akku. Die Federelemente stammen aus dem Hause Fox und kommen aus den Regalen mit Top-Teilen: eine 38er Float Performance Gabel und ein Float X2 Performance Elite Dämpfer.


Sensibles, schluckfreudiges Fahrwerk

Also nichts wie rauf auf den Hippie-Bock, und die Paganella-Trails shredden! Die Sitzposition ist komfortabel aufrecht. Kein Wunder, schliesslich beträgt der Sitzrohrwinkel steile 78 Grad. Auch wenn das Oso mit 24,4 Kilogramm nicht zu den Leichtgewichten zählt, fährt sich das Bike geschmeidig bergauf. Der sehr sensibel ansprechende Hinterbau liefert eine geradezu himmlische Traktion. Die stimmt auch bergab. Damit sticht das Oso in puncto Performance viele Enduro-E-MTBs aus. Fiese Bremswellen im Bikepark, knorrige Wurzeltrails oder felsige Absätze auf alpinen Trails – war da was? Das Oso bügelt unbeeindruckt selbst raueste Pfade glatt. Man fühlt sich fast wie in einer High-End-Limousine, bei der man dank des hohen Fahrkomforts kaum merkt, dass die Höchstgeschwindigkeit erreicht ist. Vorausgesetzt, es ertönt nicht plötzlich ein dumpfer Schlag aus der Region unterm Motor. Denn wegen der tiefen Tretlagerposition sind Aufsetzer nicht ausgeschlossen. Das ist aber schon das einzige Manko an diesem individualistischen Baller-Enduro, das gerne auch einen auf plüschig komfortablen Tourer macht. Dank der Shimano XT-Bremsen mit riesigem 220-Millimeter-Rotor am Vorderrad hat man das Geschoss jederzeit gut in Griff. In engen Kurven erfordert das Oso Körpereinsatz und Entschlossenheit. Denn Wendigkeit zählt nicht zu seinen grossen Stärken. Auf den ersten Blick mag das Oso wie ein seltsamer Vogel wirken. Summa summarum aber haben die Ibis-Entwickler ihr Ziel erreicht, eine «spassige und fähige Abenteuermaschine zu bauen». Als i-Tüpfelchen gibt’s eine hochwertige Lupine Lichtanlage serienmässig.

Fazit

Mit seinem schluckfreudigen Fahrwerk bügelt das Oso souverän über anspruchsvollste Strecken. Das ungewöhnliche Design macht es zu einem Fest für Individualisten.

Vergleich mit anderen Modellen

Modell Saison Preis Gewicht
Ibis Oso Aktuelles Produkt 2023 9'900.00 CHF 24.400 g
Scott Lumen eRide 900 2023 9'899.00 CHF 16.300 g Zum Test
Simplon Rapcon Pmax CX 2023 12'349.00 CHF 24.200 g Zum Test
Trek Rail 9.8 XT 2023 10'440.00 CHF 23.800 g Zum Test
BMC Fourstroke AMP LT LTD 2023 14'999.00 CHF 16.000 g Zum Test
BH iLynx+ Enduro Pro 9.9 2023 9'999.90 CHF 20.400 g Zum Test
Specialized S-Works Turbo Levo 2023 13'000.00 CHF 22.500 g Zum Test
Yeti 160E T1 2023 13'390.00 CHF 23.500 g Zum Test

Technische Daten

Produktbezeichnung
Ibis Oso
Saison
2023
Gewicht
24.400 g
Preis
9'900.00 CHF
Hersteller-Webseite
www.ibisbikes.ch
Federweg vorn
170
Federweg hinten
155
Rahmenmaterial
Carbon
Federgabel
Fox Float 38 Performance, 170 mm
Dämpfer
Fox Float X2 Performance Elite
Schaltung
Sram GX Eagle
Bremsen
Shimano XT M8120, 4 Piston
Kurbel
Sram EX1 E-Crank, 32T ring, Ibis Spider
Laufräder
Blackbird Send I/Send II, Alu
Reifen
Maxxis Assegai DD/Maxxis Aggressor DD
Lenker
Ibis Carbon Hi-Fi, 31.8 mm, 800 mm
Vorbau
Ibis 31.8 mm
Sattel
SDG Bel-Air V3
Motor
Bosch Performance Line CX
Akku
Bosch 750 Wh Powertube
Produktkategorien
E-Bikes
Hersteller
Ibis
Aktivitäten
Biken, Mountainbiken

Produktbilder und Detailaufnahmen

  • Ibis Oso
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Text: Outdoor Guide Redaktion

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