Kurze Hose, T-Shirt und los geht’s. So klingt der Sommer. Beim Wandern sind die Anforderungen jedoch deutlich komplexer. Ein beliebiges Baumwoll-Shirt und irgendeine Hose reichen in den Bergen oft nicht aus. Dafür gibt es mehrere Gründe. Morgens kann es auf 2'000 Metern noch frisch sein, mittags brennt die Sonne, und ein nachmittägliches Gewitter sorgt innerhalb weniger Minuten für einen spürbaren Temperatursturz.
Hitze: Der grösste Leistungsfresser beim Sommerwandern
Der menschliche Körper arbeitet optimal bei einer Kerntemperatur von etwa 37 °C. Bereits geringe Abweichungen nach oben führen dazu, dass mehr Energie für die Kühlung aufgewendet werden muss. Das Temperaturregulationssystem des Menschen ist hochkomplex. Es basiert auf mehreren physikalischen Funktionsweisen. Dabei ist die Kühlung über die Verdunstung (Schwitzen) ein wichtiger Faktor.
Studien zeigen:
- Bereits bei einer Umgebungstemperatur von 25 bis 30 °C steigt die Herzfrequenz bei gleicher Belastung deutlich an.
- Bei Temperaturen über 30 °C kann die Ausdauerleistung um 5 bis 20 % sinken.
- Ein Flüssigkeitsverlust von nur 2 % des Körpergewichts kann die Leistungsfähigkeit um rund 10 bis 20 % reduzieren.
Alles, was das Verdunsten von Schweissfeuchtigkeit vom Körper im Sommer behindert (z.b. zu warme Kleidung, falsche Materialien) führt schnell zu Leistungseinbussen. Moderne Wanderkleidung für Damen und Herren spielt hier eine wichtige Rolle.
Windchill am Berg
Ein typisches Beispiel aus den Alpen: Auf einem Gipfel herrschen angenehme 20 °C, gleichzeitig weht jedoch ein kräftiger Wind mit rund 50 km/h. Für den Körper fühlt sich das eher wie etwa 14 bis 15 °C an. Die Folge: Wer nur im T-Shirt unterwegs ist, beginnt in Pausen oft rasch zu frieren.
Noch deutlicher wird der Effekt bei etwas kühleren Bedingungen. Herrschen auf einem Grat oder Gipfel 15 °C und ebenfalls etwa 50 km/h Wind, liegt die gefühlte Temperatur nur noch bei rund 9 bis 10 °C. Aus einer vermeintlich milden Sommerwanderung wird damit schnell eine Situation, in der zusätzliche Bekleidungsschichten willkommen sind. Deshalb tragen erfahrene Bergwanderer selbst im Hochsommer oft eine leichte Windjacke oder Isolationsjacke im Rucksack.
Schweissmanagement
Wer in den Bergen stark verschwitzt unterwegs ist, riskiert nicht nur Komforteinbussen. Sobald das Tempo sinkt, eine Pause eingelegt wird oder Wind aufkommt, kann feuchte Kleidung dem Körper rasch Wärme entziehen. Kühlt der Körper durch Wind und feuchte Bekleidung aus, werden unter anderem die Schleimhäute schlechter durchblutet. Immunzellen gelangen weniger effizient an diese Eintrittspforten für Viren und Bakterien, und die lokale Immunabwehr arbeitet vorübergehend weniger effektiv. Zusammen mit der körperlichen Belastung einer längeren Wanderung kann dies die Infektanfälligkeit erhöhen. Moderne Funktionsbekleidung hilft deshalb nicht nur beim Temperaturmanagement, sondern unterstützt indirekt auch die Regeneration und die natürlichen Abwehrmechanismen des Körpers.
Welche Fasern funktionieren?
Moderne Wanderkleidung soll nicht verhindern, dass man schwitzt. Das wäre unmöglich. Sie soll vielmehr dafür sorgen, dass die Feuchtigkeit möglichst rasch von der Haut wegtransportiert wird. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Kleidungsstücke, die direkt auf der Haut getragen werden: sogenannte Baselayer.
Für diese kommen vor allem zwei Materialien zum Einsatz:
Synthetische Fasern
Vorteile:
- trocknet extrem schnell
- sehr leicht
- hohe Strapazierfähigkeit
Nachteile:
- nimmt schneller Gerüche an
- weniger angenehm auf empfindlicher Haut
Merinowolle
Vorteile:
- geruchsarm auch nach mehreren Tagen
- angenehmes Hautgefühl
- wärmt auch leicht feucht noch gut
- natürlicher UV-Schutz
Nachteile:
- trocknet langsamer als Synthetik
- weniger robust
- meist teurer
- manche Personen empfinden gröbere Merinowolle als leicht kratzig
Mischgewebe als Kompromiss
Viele moderne Hersteller kombinieren Merinowolle und Kunstfasern. Dadurch entstehen robustere Shirts mit verbesserter Geruchskontrolle.
Warum Baumwolle problematisch ist
So angenehm Baumwollbekleidung im Alltag ist: In den Bergen hat sie bei schweisstreibenden Aktivitäten wenig verloren. Baumwolle nimmt viel Feuchtigkeit auf, trocknet langsam und verliert im nassen Zustand einen grossen Teil ihrer Isolationswirkung. Moderne Wanderbekleidung setzt deshalb überwiegend auf Kunstfasern, Merinowolle oder Mischgewebe.
Warum das Schichtprinzip im Sommer wichtig ist
Viele Wanderer verbinden das Schichtprinzip vor allem mit Wintertouren. Tatsächlich spielt es aber gerade im Sommer eine entscheidende Rolle. Moderne Wanderkleidung setzt auf ein durchdachtes Schichtprinzip und funktionelle Materialien, die Feuchtigkeit transportieren, schnell trocknen und gleichzeitig vor Sonne, Wind und Kälte schützen. Das Prinzip dahinter: Jede Schicht transportiert Feuchtigkeit weiter nach aussen.
Baselayer
Die erste Schicht liegt direkt auf der Haut und transportiert Schweiss von der Haut weg.
Midlayer
Die zweite Schicht sorgt bei kühlen Morgenstunden, Pausen oder Gipfelaufenthalten für zusätzliche Wärme.
Leichte Isolationsjacke
Eine dünne Kunstfaser- oder Daunenjacke gehört selbst im Hochsommer in den Rucksack.
Wetter- und Windschutz
Je nach Tour ergänzt eine leichte Hardshell oder Windjacke das Bekleidungssystem.
Hosen
Wanderhosen für den Sommer gibt es in langer oder kurzer Ausführung. Beide sollten aus leichten, atmungsaktiven Materialien bestehen. Praktisch können Zip-off-Hosen sein, die sich rasch von einer langen Hose in eine Shorts verwandeln lassen.
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Fazit: Welche Wanderkleidung braucht man im Sommer wirklich?
Für die meisten Sommerwanderungen genügt bereits ein durchdachtes System aus funktionellem Baselayer, leichtem Midlayer, dünner Isolationsjacke, Wanderhose und hochwertigen Wandersocken. Wer auf das Schichtprinzip setzt und Materialien passend zum Einsatzzweck auswählt, ist für nahezu alle Bedingungen zwischen Tal und Gipfel gerüstet.
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