Praxistest & Erfahrungen
«Scor» heisst die neue Schweizer Bike-Marke – ein Bruder des Edel-Brands BMC. Der Neuling setzt da an, wo die Mountainbike-Palette von BMC endet, nämlich bei Velos mit Federwegen ab 140 Millimetern. Und wie schlägt sich der junge, auf Fahrspass ausgelegte Neuzugang auf den Trails?
Auch die Entwickler von Hochleistungs-Race-Bikes wollen mal spielen. So könnte man die Vorgeschichte zur neuen Schweizer Bike-Marke Scor auf den Punkt bringen. BMC ist über die eidgenössischen Landesgrenzen hinaus bekannt für edle und auf maximalen Vortrieb und Race-Performance ausgelegte Mountainbikes und Rennräder. Tatsächlich waren es ein Ingenieur und ein Designer, die genau für diese Velos verantwortlich zeichnen, die beschlossen, in ihrer Freizeit an Bikes mit ganz anderer DNA zu tüfteln: Singletrail-Spass statt Bestzeiten, Bikeparks statt XC-Rennkurse – im Vordergrund sollte das stehen, was diese Jungs nach Feierabend selbst am liebsten machen. Und wie so oft sind Projekte, die vor Leidenschaft strotzen, die erfolgreichsten. Die Basteleien der beiden sprachen sich bei BMC herum, weitere Mitarbeiter schlossen sich an. Schliesslich meinten auch die BMC-Chefs, es wäre viel zu schade, das Projekt als Hobby-Experiment in der Schublade versauern zu lassen. Vorläufiges Ende der Geschichte und das Ergebnis der Entwicklungsarbeiten ist die neue Bikemarke Scor.
Feines, potentes Fahrwerk
«Was, nur 140 Millimeter Federweg?» Als es darum ging, die persönlichen Fahreindrücke mit den Daten auf dem Papier zu vergleichen, war die Test-Crew bei der Jungfernfahrt mit dem Scor 4060 ST ziemlich von den Socken. Dessen Fahrwerk mit Twin-Link-Hinterbau spricht smooth, und schon fast sänftenartig an – deutlich komfortabler, als man es von den straff und rennorientiert abgestimmten BMC-Modellen gewohnt ist. Trotzdem ist das Fahrwerk mit RockShox Super Deluxe Ultimate Dämpfer progressiv genug, um auch Schläge und Sprünge souverän wegzustecken. In Teamwork mit der RockShox Pike Ultimate RC2 Gabel (150 Millimeter Federweg, Lenkwinkel 65,5 Grad) bügelt das Bike laufruhig über ruppige Trails und ist dabei verspielt genug, um auch in technischem und kurvigem Gelände jede Menge Spass zu bieten. Bergauf klettert das 4060 ST gut und lässt sich effektiv pedalieren. Die DT Swiss XM 1700 Laufräder bieten einen fairen Kompromiss aus Stabilität und Gewicht. Optional zu den 29-Zöllern vorne und hinten lässt sich das Scor 4060 auch als Mullet-Variante mit einem 27,5-Zoll-Hinterrad fahren. Beim Manövrieren durch knifflige Passagen hat man den Allrounder dank 800 Millimeter breitem Scor Carbon-Lenker jederzeit gut ausbalanciert im Griff.
LT-Version mit mehr Federweg
Die Verarbeitung ist top. Nichts klappert. Am Unterrohr sitzt ein massiver Protektor mit integrierter, gepolsterter Tool-Box. Zusätzlich gibt es vorgefertigte Rahmenschutzfolien. Das Scor 4060 ist mit günstigerer Ausstattung bereits ab 4599 CHF erhältlich. Wer sich noch mehr Enduro wünscht, greift zur Long Travel Enduro Version mit 160 Millimeter Federweg am Heck und 170 Millimeter Federweg an der Front. Die Umstellung von Short Travel auf Long Travel erfolgt per Flip-Chip. Auch der Lenkwinkel lässt sich mit dem verstellbaren Steuersatz anpassen. Neben den herkömmlichen Mountainbikes hat SCOR auch E-MTBs im Portfolio – je zwei Trail- und Enduro-Modelle mit Shimano Motoren.
Zitat von unserem Tester Gregor Arndt, Redakteur und Enduro-Fahrer:
«Dieses Bike ist die Ruhe selbst, auch wenn es auf den Trails heiss hergeht. Dabei ist das Scor 4060 ST sehr laufruhig und trotzdem quirlig und verspielt zu fahren. Genauso stelle ich mir einen Top-Allrounder vor. In dem Rahmen verschmelzen Trail-Einsatz, Enduro-Action und gemässigte Bikepark-Sessions – all das, was mich am Mountainbiken fasziniert.»
Fazit
Das Scor 4060 ST vereint Fahrkomfort mit Laufruhe und eine hohe Wendigkeit mit sehr respektablen Uphill-Qualitäten. So sieht die
gelungene Premiere eines Newcomers aus!
Produktbilder und Detailaufnahmen
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