Sicher ist sicher: Moderne Sicherungsgeräte im Praxistest

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Datum: 10.10.2025

Klettern ist Teamarbeit – und das Sicherungsgerät ist das Herzstück dieser Partnerschaft. Es sorgt dafür, dass ein Sturz sicher und kontrolliert aufgefangen wird, und entscheidet damit über Komfort und Sicherheit gleichermassen. Doch die Auswahl ist gross: Tuber, Autotuber, Halbautomat oder Hightech-Gerät – welches passt zu dir?


Hier findest du einen Überblick über die wichtigsten Sicherungsgeräte, ihre Stärken und Schwächen – und welche sich für deinen Kletterstil eignen.

1. Vom HMS zum Hightech-Gerät – ein kurzer Rückblick

Früher wurde mit einem einfachen Halbmastwurf (HMS) gesichert – direkt über den Karabiner. Mit der Zeit entstanden immer raffiniertere Geräte, die mehr Kontrolle, Reibung und Sicherheit boten. Heute reicht das Spektrum von ultraleichten Tubern bis zu technisch ausgefeilten Halbautomaten. Das Ziel bleibt gleich: Sicherheit und Vertrauen am Seil.

2. Tuber – der Klassiker unter den Sicherungsgeräten

Der Tuber ist das wohl bekannteste und am weitesten verbreitete Sicherungsgerät. Modelle wie der Black Diamond ATC oder das Edelrid Nano Jul (zum Testbericht) sind echte Dauerbrenner. Das Seil wird durch die durch Umlenkung um das Gerät und Karabiner entstehende Reibung gebremst. Die Bremskraft hängt direkt von der Handkraft ab und wird vom Sichernden manuell kontrolliert. Bei Fehlbedienung (beispielsweise Bremshand nicht festgehalten) läuft das Seil bei einem Sturz ungebremst durch das Gerät. 

Tuber gibt es in verschiedenen Ausführungen für Einfachseile oder Doppelseile – oft ist zudem eine Nachsteigeröse angebracht, um in Mehrseillängentouren ein oder zwei Nachsteiger nachzusichern. 

Vorteile

  • leicht, kompakt und günstig
  • einfaches Handling
  • vielseitig: zum Sportklettern und Abseilen geeignet


Nachteile

  • kein Bremsassistent – das Seil blockiert nicht automatisch
  • erfordert hohe Aufmerksamkeit und gutes Seilmanagement
  • Geräte aus Aluminium verschleissen bei häufigem Gebrauch und müssen ersetzt werden, sobald sich scharfe Kanten bilden

Ideal für: Früher wurden Tuber oft als Geräte für Einsteiger verkauft – heutzutage werden sie in diesem Einsatzbereich zunehmend von Autotubern verdrängt. Ihre Vielseitigkeit spielen Tuber v.a. im alpinen Gelände aus. Auch erfahrene Sicherer, die bewusst weich sichern wollen, setzen nach wie vor auf klassische Tuber. 

Sicher ist sicher: Moderne Sicherungsgeräte im Praxistest
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© Edelrid

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3. Halbautomatische Sicherungsgeräte – mit Bremsunterstützung

Halbautomaten unterstützen den Sichernden, wenn das Seil plötzlich belastet wird, durch eigene Bremswirkung. Klassiker wie das Petzl GriGri, Edelrid Pinch (zum Testbericht) oder das Petzl Neox (zum Testbericht) sind in Hallen und Klettergärten weit verbreitet. Wenn das Gerät blockiert hat, muss der Sichernde keine Handkraft mehr aufbringen, um das Gewicht des Kletterers zu halten. Zum Ablassen wird der Klemmmechanismus i.d.R. mit einem Hebel geöffnet, um ein kontrolliertes Durchlaufen des Seils zu ermöglichen. 

Vorteile

  • höhere Sicherheit bei Vernachlässigung des Bremshandprinzips (aber Achtung: auch halbautomatische Geräte können fehlbedient werden)
  • komfortables Sichern beim Ausbouldern oder Pausieren
  • ideal für das Sportklettern


Nachteile

  • teurer und schwerer als ein Tuber
  • kann beim Seilausklemmen klemmen, was zu einem „hakeligen“ Seilausgeben führt
  • Handling erfordert Übung und korrekte Seilführung
  • Verleitet zum Vernachlässigen des Bremshandprinzips
  • Bei ungeübten Kletterern fallen Stürze meist sehr hart aus. Weiches Sichern ist schwieriger als mit einem Tuber

Ideal für: Sportkletterer und Hallenkletterer, die regelmässig sichern. Auch in modernen Bigwalls und Mehrseillängentouren kommen solche Geräte zum Einsatz. 

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© Petzl

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© Petzl

4. Autotuber – der smarte Kompromiss

Autotuber wie das Edelrid Jul2 (zum Testbericht), Mammut Smart oder das Climbing Technology ClickUp kombinieren das Tuber-Prinzip mit einer zusätzlichen Bremsunterstützung. Hier wird eine besondere Geometrie genutzt um die Umlenkreibung des Seils zu maximieren und durch eine Klemmung des Geräts gegen den Karabiner zu unterstützen. Diese Geräte blockieren i.d.R. nicht vollständig, haben aber eine sehr viel höhere Bremskraft als reguläre Tuber. 

Vorteile

  • leicht und robust
  • vielseitig einsetzbar (Sportklettern, Alpinklettern, Abseilen)
  • starke Bremskraftunterstützung


Nachteile

  • erfordert Erfahrung für flüssiges Handling
  • Bremskraftunterstützung abhängig von der
  • Kombination aus Seil, Gerät und Karabiner

Ideal für: Aufgrund der einfachen und intuitiven Bedienung sowie der zuverlässigen Bremskraftunterstützung sind diese Geräte auch für Einsteiger geeignet.

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5. Spezielle Geräte und moderne Innovationen

Innovative Geräte wie das Wild Country Revo versuchen, einfaches Handling und Sicherheit auf ein noch höheres Mass zu bringen und sämtliche Bedienfehler auszuschliessen. Bisher haben aber auch diese Geräte kleinere Mankos in der Bedienung, so dass sie sich nicht flächendeckend durchgesetzt haben. 

Vorteile

  • maximale Sicherheit durch automatische Blockierung, welche nicht von aussen ausser Kraft gesetzt werden kann
  •  Seil kann nicht verkehrt herum eingelegt werden

Nachteile

  • relativ schwer und teuer
  • nicht für alpine Einsätze geeignet
  • keine automatische Blockierung des Geräts beim Pausieren – erst bei einem Sturz aktiviert der Mechanismus. 

Ideal für: Hallen- und Freizeitkletterer, die Wert auf maximale Sicherheit legen.

6. Vorschaltwiderstände – zusätzliche Sicherheit bei hohen Gewichtsunterschieden

Auch wenn es sich hierbei nicht um Sicherungsgeräte per se handelt, sollte diese Produktkategorie auf keinen Fall fehlen. Basis beim Sichern ist, dass ein Sturz des Kletterers über das Körpergewicht des Sicherers gehalten wird. Sind die Unterschiede im Köpergewicht sehr gross (v.a. schwerer Kletterer und leichter Sicherer) kann es schnell zu gefährlichen Situationen und weiten Stürzen kommen. In diesem Fall kann man in die erste Zwischensicherung einen sogenannten Vorschaltwiderstand wie z.B. das Edelrid Ohmega einhängen.

Im Falle eines Sturzes erhöht dieses Element die Reibung zusätzlich – er macht den Sicherer sozusagen schwerer. Spätestens bei einem Gewichtsunterschied von über 15 kg sowie bei sehr geraden Kletterlinien, die kaum Reibung in der Sicherungskette erzeugen und in der Kletterhalle häufig vorkommen, ist der Einsatz eines solchen Vorschaltwiderstandes empfehlenswert. 

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© Edelrid

7. Fazit: Welches Sicherungsgerät passt zu dir?

Egal, welches Sicherungsgerät du wählst – entscheidend ist, dass du es richtig bedienen kannst. Es gibt eine Unmenge an verschiedenen Geräten, die auf verschiedenste Anwendungsbereiche spezialisiert sind. Bei richtiger Verwendung sind all diese Geräte sicher. Sicherheit am Fels beginnt deshalb nicht mit dem Gerät, sondern mit Aufmerksamkeit, Übung und Vertrauen zwischen Kletterpartnern.

Unsere Empfehlung lautet: 

  • Einsteiger: Autotuber – einfach, günstig, robust.
  • Sportkletterer: Halbautomat für maximalen Komfort und mehr Sicherheit.
  • Alpinkletterer: Leichte, vielseitige Geräte – oftmals klassische Tuber, um weiche Stürze zu ermöglichen
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