Freie Sicht
Wir haben mit Nicolas Defude und William Foraison, beide Product Manager bei Julbo, über die hauseigene Reactive Technologie gesprochen.
Da gibt es einerseits die Beschichtungs-Technologie. Hier wird eine flache Schicht von wenigen Mikrometern auf das Objektiv aufgetragen. Sie ist mit allen Materialien kompatibel, so zum Beispiel Polycarbonat-Glas oder Acetat. Da die photochrome Schicht sehr dünn ist, ist der photochrome Bereich begrenzt. Sie wird durch UV-Strahlung aktiviert und stark von Temperaturschwankungen beeinflusst. Die Gläser werden bei kalten Temperaturen dunkel und haben Mühe, bei hohen Temperaturen einen dunkleren Zustand zu erreichen, so dass die Aktivierung manchmal gefährlich sein kann. Eine Beschichtung ist auch weniger haltbar, nach ein oder zwei Saisons kann das Glas im dunklen Zustand verbleiben. Da es sich um eine Oberflächenbeschichtung handelt, kann sie leicht zerkratzt und zerstört werden.
Welche Technologie wendet Julbo an? Und weshalb?
Wir verwenden für unserer Reactive-Technologie in das Material eingebettete photochrome Farbstoffe. Die Technologie wurde ursprünglich für die Windschutzscheiben von Hubschraubern entwickelt. Das Material erlaubt die Mischung der photochromen Farbstoffe mit plastifizierendem Material. Um eine perfekte Homogenität des Materials zu erreichen, erfolgt der Prozess durch Giessen in Glasformen bei moderater Temperatur über einen grossen Zeitraum. Viele Arbeitsschritte werden manuell ausgeführt weshalb der Stückpreis relativ teuer ist.
Da das verwendete Material sehr homogen ist, gibt es keine Spannungen oder Verzerrungen auf der Linse, was eine überlegene optische Qualität für eine sehr scharfe und präzise Sicht sowie eine überlegene Stossfestigkeit ermöglicht.
Da die gesamte Oberfläche und der Körper der Linse photochromes Material enthält, kann die Reichweite und die Geschwindigkeit der Aktivierung sehr hoch sein. Ausserdem ist die Funktion auch dauerhaft garantiert.
Für eine präzisere Aktivierung kann sie auf sichtbarem Licht und UV-Strahlung basieren und die spezielle Formel kann fein abgestimmt werden, um den Temperatureffekt auszugleichen.
Welches sind die wesentlichen Unterschiede der Technologien?
Die Leistung, die mit eingebetteter Photochromie erreicht wird, ist durchaus grösser als bei einer beschichteten. Sie deckt verschiedene Lichtschutzkategorien gemäss den europäischen Normen, ab und ermöglicht so einen sehr vielseitigen Einsatz von schlechten Lichtverhältnissen bis hin zu sehr sonnigen Bedingungen, ohne dass die Brille oder das Brillenglas gewechselt werden müssen. Da sich die Linse kontinuierlich an die Umgebungsbedingungen anpasst, merkt der Träger dies nicht einmal. Er kann sich weiterhin auf seine Tätigkeit konzentrieren.
Die breite Palette an Zusatzbehandlungen ermöglicht eine Feinabstimmung auf die spezifischen Bedürfnisse der verschiedenen Disziplinen. Zum Beispiel kann der photochrome Effekt mit einer polarisierenden Folie kombiniert werden, um die höhere Sonneneinstrahlung auf Schnee oder Wasser zu berücksichtigen. Für das Freeride-Skifahren im frischen Pulverschnee, kann eine Hochkontrastfunktion hinzugefügt werden, um die Geländewahrnehmung zu verbessern.
Zusätzlich gibt es noch das Elektrochrom-System, hierbei wird ein in die Linse eingebetteter Film oder eine Flüssigkeit elektrisch angeregt. Elektrochrome Linsen werden mit einem System aus einer Doppellinse, einer regulären Linse gekoppelt mit einer elektrochromen Vorrichtung, hergestellt. Die elektronischen Chips senden einen Impuls an die Linse, um sie in verschiedene voreingestellte Zustände zu versetzen. Der Wechsel zwischen den Positionen ist sehr schnell. Der Impuls kann von einer Fotovoltaikzelle oder einer Batterie gegeben werden. Heute sind die Systeme noch dick und schwer und das Endprodukt ist eher unhandlich und sehr teuer.
Weshalb sind die Technologien im Bereich Skibrillen/Goggles weit weniger verbreitet, als im Bereich Sportbrillen?
Es gibt einige Optionen, die in den Bergen oder auf dem Schnee einfach anders sind oder so nicht funktionieren. Zum Beispiel wird eine neutrale Grundfarbe der Scheibe nicht wirklich helfen, die Geländestruktur ausreichend gut zu antizipieren...
Durch die kontinuierlichen Bemühungen in Forschung und Entwicklung, Feldtests und die ständige Weiterentwicklung der Normen werden die technischen Grenzen von Saison für Saison verschoben. Da die Labortests bisher bei 23°C durchgeführt wurden, war es schwierig, die Reaktion der Brillenglasformel auf Winterverhältnisse zu übertragen. Da die Temperatur für die Transmissionsprüfung bald auf 5°C für Winterware angepasst wird, wird dies eine präzisere Formulierung ermöglichen.
Worin bestehen die technischen Limitationen, um die Gläser beispielsweise von Kat. 0 bis Kat. 4 herzustellen?
Aktuell deckt der weitestgehende Bereich 3 Lichtkategorien ab: von Kat. 1 bis 3 oder Kat. 2 bis 4. In Zukunft können wir uns durchaus vorstellen den photochromen Bereich schon bald auf 4 oder sogar 5 Kategorien zu erweitern.
Nichtsdestotrotz ist die Lichtdurchlässigkeit in Prozent nicht die einzige Angabe, die man bei der Wahl eines Brillenglases für Schneeaktivitäten berücksichtigen sollte. Die Fähigkeit, das Gelände dank der richtigen Grundfarbe der Scheibe, durch einen hohen Kontrast oder Lichtverstärkung oder andere Features zu lesen, kann das Skierlebnis ebenfalls erheblich verbessern.
Was gibt es hinsichtlich der Geschwindigkeit der Anpassung der Gläser an die herrschenden Lichtverhältnisse zu sagen – wie schnell ist technisch möglich? Wo liegen die Limitationen?
Im Allgemeinen ist die Geschwindigkeit der Aktivierung vom klaren Zustand zum verdunkelten Zustand von photochromen Linsen sehr schnell, in ein paar Sekunden merkt man den Effekt und in weniger als 30 Sekunden ist der Prozess abgeschlossen, unsere Julbo Scheiben brauchen 22 Sekunden, um von Kat 2 zu Kat 4 zu wechseln.
Der Prozess vom verdunkelten zum klaren Zustand ist in der Regel länger, er dauert etwa eine Minute, bis er vollständig abgeschlossen ist. Auch die Temperatur beeinflusst die Anpassungsgeschwindigkeit. Bei niedrigen Temperaturen wird die Linse sehr schnell dunkel und bei hohen Temperaturen dauert es länger. Mit der NST-Funktion und einer speziellen Winterformel stabilisiert Julbo den Aktivierungsprozess von -5°C bis 15°C.
Weshalb sind photochromatische Gläser so viel teurer?
Phototrope Brillengläser sind eine hochmoderne Technologie. Schon die Grundkomponenten sind teurer als herkömmliches Polycarbonat- oder Acetatmaterial. Dann ist der Herstellungsprozess sehr anspruchsvoll und erfordert eine viel Zeit.
Gibt es photochromatische Brillengläser auch geschliffen?
Die phototropen Gläser von Julbo sind dank des RX-Programms von Julbo auch mit Korrektur erhältlich. Mit dem hauseigenen RX-Labor am Hauptsitz des Unternehmens im französischen Jura ist Julbo in der Lage, diese hochmodernen phototropen Gläser individuell herzustellen - je nach den Sehstärken, die vom Optiker oder Augenarzt ermittelt werden. Dies funktioniert mit einer breiten Palette von Sonnenbrillenfassungen und unterschiedlichen Lösungen.
Wie putze ich die Bille am geschicktesten? Darf die Glasinnenseite «abgewischt» werden?
Wenn sich auf der Innenseite des Brillenglases eine Antifog-Beschichtung befindet, ist es nicht ratsam, diese abzuwischen. Die Antifog-Beschichtung funktioniert wie ein Schwamm, und durch starke Reibung kann die Oberfläche beschädigt werden. Wir empfehlen, die Innenseite der Linse mit Wasser und einem weichen Tuch zu reinigen.
HIER gehts zum Tutorial
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