Vor einem harten Schlag auf den Kopf schützen alle Kletterhelme. Dank verschiedener Konstruktionstypen, Materialien und variierender Belüftungen ist jedoch jedes Modell für einen bestimmten Einsatzbereich optimiert. Wir zeigen euch, worauf es bei Kletterhelmen wirklich ankommt – und welche Modelle im Test überzeugt haben.
1. Unterschiedliche Konstruktionen und ihre Vor- und Nachteile
Kletterhelme lassen sich grob in Hartschalenhelme, In-Mold-Helme und Hybridkonstruktionen einteilen. Jede Bauart bringt spezifische Vor- und Nachteile mit sich:
- In-Mold-Konstruktion (geschäumter Kern aus EPS oder EPP + dünne Aussenschale)
- Vorteile: superleicht, hoher Tragekomfort, sehr gute Belüftung
- Nachteile: sehr empfindlich gegenüber Beschädigung, z.B. beim Transport
Diese Helme sind mittlerweile stark verbreitet, da Gewichtsvorteil und Tragekomfort viele Anwender überzeugen. Durch die Verwendung neuartiger Materialien wie EPP kann die dünne Aussenschale inzwischen reduziert oder gar ganz weggelassen werden.
- Hybrid-Helme (harte Aussenschale verbunden mit einem geschäumten Kern)
- Vorteile: vereinen Robustheit und Leichtbau, häufig gute Belüftung, universell einsetzbar
- Nachteile: nicht ganz so leicht wie reine In-Mold-Helme
Bei den Hybrid-Helmen werden die Vorteile verschiedener Konstruktionen kombiniert. Sie verdrängen zunehmend die Hartschalenhelme, da sie denselben Einsatzbereich abdecken, jedoch deutlich höheren Komfort bieten.
- Hartschalenhelm (ABS oder Polycarbonat)
- Vorteile: extrem robust, langlebig, unempfindlich gegenüber kleinen Schlägen und grober Behandlung
- Nachteile: meist schwerer, weniger Belüftung, oft weniger bequem
Aufgrund des hohen Gewichts und des geringen Tragekomforts wird diese Helmart heutzutage fast nur noch in Verleihbetrieben verwendet, wo es auf maximale Robustheit bei geringen Anschaffungskosten ankommt.
2. Top-Modelle: Von Outdoor Guide getestet
Beim Outdoor Guide haben wir einige aktuelle Top-Modelle aus unterschiedlichen Preisklassen und für unterschiedliche Einsatzzwecke unter die Lupe genommen.
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3. Sicherheit und Norm
Um die Sicherheitsanforderungen und die Funktion eines Kletterhelms zu verstehen, muss man sich bewusst machen, wofür ein Kletterhelm ursprünglich konzipiert wurde: Früher als Steinschlagschutzhelm bezeichnet, sollte er den Anwender vor herabfallenden Steinen schützen. Entsprechend definiert die Norm vor allem Tests für Aufpralle durch fallende Objekte (stumpf oder spitz), um die Dämpfung und Durchdringungsfestigkeit des Helms zu überprüfen.
In den letzten Jahren werden jedoch zunehmend weitere Anforderungen diskutiert, die bei einem Sturz mit anschliessendem Aufprall an der Wand entstehen. Hierzu gibt es inzwischen einen Entwurf für eine neue Testnorm. Viele Hersteller verweisen in ihren technischen Informationen bereits auf ein sogenanntes Side-Impact-Testing. Beim Kauf eines neuen Kletterhelmes sollte man auf jeden Fall hierauf achten.
Zudem entwickeln viele Hersteller inzwischen Multinorm-Helme, die für verschiedene Anwendungsbereiche zertifiziert sind. Ein Beispiel sind Skitourenhelme, die sowohl die Anforderungen an Kletterhelme als auch an Skihelme erfüllen.
Auch neue Technologien wie MIPS (Multi-directional Impact Protection System zur Reduktion von Rotationskräften bei Schrägaufprall) halten Einzug, sind aber aufgrund von Gewicht und Preis noch nicht sehr verbreitet.
4. Relevante Details
- Belüftung: Jeder Kletterhelm muss Belüftungsöffnungen aufweisen, die gewisse Grenzwerte nicht unter- bzw. überschreiten. Hintergrund: Der Schutz muss in allen Situationen gewährleistet bleiben, gleichzeitig ist eine gute Belüftung bei anstrengenden Aktivitäten ein echter Vorteil. Durch clevere Positionierung der Öffnungen lässt sich der Luftstrom heute gezielt kanalisieren.
- Tragesystem und Einstellbarkeit: Die meisten Helme werden in zwei Grössen angeboten, die alle Kopfumfänge abdecken. Die Tragesysteme unterscheiden sich jedoch stark zwischen den Herstellern. Sie sind massgeblich für den festen Sitz und den Tragekomfort verantwortlich.
Wir haben bei jedem getesteten Helm das Tragesystem geprüft. Dennoch hängt der Sitz stark von der individuellen Kopfform ab. Viele Hersteller setzen bei Ultralight-Modellen auf Bandkonstruktionen. Wenn diese gut durchdacht sind, stehen sie den klassischen Systemen mit Einstellrad kaum nach. Systeme aus hartem Kunststoff mit Verstellrad sind in der Regel etwas einfacher zu justieren. - Lebensdauer: Die Haltbarkeit hängt stark von der Bauweise ab: Hartschalenhelme halten sehr viel aus und begleiten dich jahrelang, während In-Mold-Helme empfindlicher sind. Sobald ein Helm Schäden aufweist, muss er ersetzt werden. Hersteller geben unabhängig vom Verschleiss eine maximale Lebensdauer an (in der Regel zehn Jahre), da Kunststoffe durch UV-Strahlung altern.
5. Einsatzbereich
Moderne Leichthelme in In-Mold-Bauweise eignen sich für fast alle Einsatzbereiche. Einschränkungen gibt es vor allem bei der Transportfähigkeit – insbesondere auf Flugreisen sollte man darauf achten, den Helm sicher zu verstauen. Eine Sonderstellung nehmen Verleihbetriebe ein, bei denen maximale Robustheit und schnelle Einstellbarkeit zählen. Hier kommen hauptsächlich Hybrid- oder Hartschalenhelme zum Einsatz.
6. Fazit: welcher Helm passt für mich?
Wie bei so vielen Ausrüstungsgegenständen gibt es keine pauschale Antwort. Nach der Definition des Einsatzbereichs kann man sich jedoch relativ schnell für einen Helmtyp entscheiden. Am Ende zählt jedoch die Passform: Ein guter Helm lässt dich vergessen, dass du ihn trägst. Ein schlecht sitzender Helm sorgt im schlimmsten Fall für Kopfschmerzen. Nicht zuletzt spielt auch das Design eine Rolle – schliesslich ist der Helm einer der sichtbarsten Teile deiner Ausrüstung.
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