«Begeistert von der unglaublichen Ästhetik der Wand stellten wir uns sofort die Frage, ob die jungfräuliche zentrale Linie durch den höchsten Teil der Nordwand möglich sei, sagt Papert.
Am Morgen des 26. Novembers starteten die beiden Alpinisten in den frühen Morgenstunden bei moderaten -10 C° von der Geraer Hütte. 45 Minuten später, am Einstieg der Nordwand, holten sie ihren Schlafsack erneut aus: «Wir waren zu früh dran. In der Dunkelheit würden wir möglicherweise zum Einstieg finden aber die ersten schwierigen Seillängen würden wir unbedingt bei Tageslicht klettern wollen.»
Erst mit der Dämmerung stieg Luka in die ersten Meter der Wand ein. «Das Eis war dünn, aber es fanden sich immer wieder feine Risspuren zum Absichern, die aber meist vom Eis befreit werden mussten», so Papert. «Runouts wurden langsam zur Gewohnheit, umso präziser mussten wir am dünnen Eis klettern, um uns keinen Fehler zu leisten.» Wenig später erreichten sie die zweite Stufe, die mit einem kleinen Dach und teils abgelöstem Eis die Schlüsselstelle darstellte. Mit dem letzten Tageslicht kamen sie zum Biwakplatz, 200 Meter unter dem Ausstieg.
«Ab hier teilt unsere Route drei Seillängen mit dem alpinen «Mittelpfeiler» und der einzigsten Spur in der gesamten Wand, einem rostigen Normalhaken im Mixed Gelände der beweist, dass hier schon vor uns Kletterer waren», erklärt Papert. Nach ein paar Metern im Tiefschnee, konnten die beiden den letzten Aufschwung im Fels meistern und aus der Wand steigen. Kurz vor Mittag liefen Lindič und Papert der Sonne entgegen – glücklich mit der Begehung, die sie «Limited in Freedom» nennen.
«Als Alpinisten lieben wir die Freiheit, unser Leben und unsere Begehungen absolut uneingeschränkt gestalten zu können. Die momentanen Reiseeinschränkungen um Covid 19 machen es uns nicht einfach und konfrontieren uns täglich mit den möglichen Konsequenzen. Jede Freiheit hat ihren Preis. Um das letzte bisschen Freiheit zu finden, braucht es ein wenig Kreativität und Mut.»
Österreich/Tirol/Valsertal
Bewertung: AI 6, M6
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