Der Begriff «Trailrunning» kommt aus dem Englischen. «Trail» bedeutet Pfad. Gelaufen wird folglich auf Wald- oder Feldwegen, über Wiesen, Schotter, Geröll, durch matschige Bachläufe, über Baumstämme oder Pfade – mit welchen Hindernissen auch immer. Den Weg so nehmen, wie er kommt, heisst das Motto – zurück zur Urform des Laufens. Das wollen immer mehr. Trailrunning erlebt in den USA und in Frankreich einen wahren Boom. Auch in der Schweiz, wie in allen anderen Alpenländern, zieht es immer mehr Laufsportler ins freie Gelände. Gerne legen sie in welligem Terrain ihre Kilometer und Höhenmeter zurück, bergauf wie bergab. Aber das Ganze soll nicht in Schinderei ausarten wie bei harten (Ultra-)Bergläufen. Und Trailrunner wollen auch nicht auf einem meist abgesteckten, mit Hindernissen gespickten und künstlich angelegten Parcours auf Zeit laufen, wie das bei einem Crosslauf der Fall ist.
Urform des Laufens – mit neuen Perspektiven
Locker trabt die Gruppe querfeldein über die Wiese. «Wichtig ist, dass ihr langsam beginnt und ein Gefühl für das Terrain entwickelt, wenn ihr bisher nur auf Asphalt oder festem Untergrund gelaufen seid», sagt Michael. «Bewegt euch in eurem Wohlfühltempo und lasst euch auf keinen Fall hetzen. Alles braucht seine Zeit.» So auch die Umstellung, mehr auf dem Vorfuss zu laufen. «Das minimiert ein mögliches Umknicken auf unebenem Untergrund», erklärt Michael und demonstriert während einer kurzen Pause die richtige Lauftechnik. Dann gibt er das Go: Einer nach dem anderen läuft los über den schmalen, mit Wurzeln und Felsen durchsetzten Trail, der noch mit viel Laub des letzten Herbstes bedeckt ist. Jeder Schritt wird mit den zurückgelegten Metern sicherer, und es beginnt richtig Spass zu machen. Das Tempo wird deshalb bei jedem bald ganz von selbst höher. Vor einem steileren Stück bergab bremst Michael die Gruppe ein. «Richtig Bergablaufen ist beim Trailrunning ex-trem wichtig, gerade auf längeren Distanzen und für Läufer, die, wie Valentin, Knieprobleme haben.
Die Kunst des Bergab-Laufens
Mit einem kleinen Test können die Laufschüler das gleich selbst ausprobieren: auf die Zehenspitzen stellen und versuchen, bei voller Spannung der Wade mit dem Knöchel nach aussen wegzuknicken. «Ihr werdet sehen, allenfalls drehen sich die Fussspitzen nach aussen, der Rest bleibt aber zuverlässig in der Achse», kommentiert der Coach. Unten angekommen, lässt er alle nacheinander ein kurzes Stück rückwärts auf den Ballen bergauf laufen. «Eine meiner Lieblingsübungen, der Effekt stellt sich bereits nach 50 Metern ein. Auch zehn Minuten Seilspringen am Stück sind herrlich effektiv, um Stabilisation und Körperspannung sowie den Vorfuss zu trainieren.»
SCHLÜSSELEINHEIT 1
Baue in die Woche kurze intensive Reize ein, z.B. 20 Min. einlaufen, 7 x 30 Sek. Belastung 30 Sek. Trab, 20 Min. auslaufen. Die Belastungen kann man bergauf für die Kraftausdauer setzen, aber auch leicht bergab, um Leichtigkeit und Schnelligkeit zu verbessern. Im flachen Gelände arbeitet man an der Schnelligkeit und kann sich an unterschiedliche Untergründe herantasten. Tipp: Die Anzahl der Reize jede Woche um 1 erhöhen bis auf 20.
SCHLÜSSELEINHEIT 2
In einen längeren Lauf auch mal ein Fahrtenspiel einbauen, dabei je nach Gefühl die Intensität dem Gelände anpassen. Lass es mal bergab richtig laufen oder drücke eine Welle durch. Die Dauer und Intensität sollten sich nach dem individuellen Wohlbefinden richten.
BEISPIELE FÜR EINE TRAINGSWOCHE
Ziel des Trainings: ein 15-km-Trail-Lauf
Montag Lockerer Dauerlauf von 45 Min. mit einem kleinen Lauf-ABC
Dienstag Frei oder Rumpfkräftigung
Mittwoch Schlüsseleinheit 1
Donnerstag 75 Min. Lauf im Gelände, um die Koordination zu schulen
Freitag Frei oder Rumpfkräftigung
Samstag Längerer Lauf nach Lust und Laune, aber ein Fahrtenspiel integrieren
Sonntag Alternative Sportart
KONTAKT
trail-of-life.at
NOCH MEHR COACHING ...
Professionelle, effiziente und nachhaltige Beratung sowie viele Informationen über fun-diertes Training, Trainingspläne, kompetente Ernährungsberatung, aufregende Events und spannende Laufcamps gibt’s bei Marmota Trailrunning in Hedingen nahe Zürich.
marmotatrailrunning.ch
Der Laufcoach und Laufbuch-Autor Michael Raab ist ein echter Ausdauer-Freak, liebt Ultrasport und Extremläufe. Er organisiert selbst Events wie den GR20 Trans-Korsika.
laufcoaches.com
Stöcke – mehr Balance und Kraft sparen im Gelände
Michael läuft ohne Handschlaufen. «Hier braucht man nicht unbedingt Stöcke», meint er, «aber auf längeren Läufen im alpinen Gelände bringen sie schon viel bei steilen Anstiegen und Bergabpassagen. Sie geben zusätzliche Stabilität, mehr Trittsicherheit, entlasten die Beinmuskulatur und helfen so, Kraft zu sparen.» Wichtig sei auch hier, langsam anzufangen und mit den Stöcken vertraut werden. Wann bringt es was, wo setze ich die Stöcke auf, ohne wegzurutschen? «Da braucht es schon ein bisschen Übung, nehmt euch die Zeit», empfiehlt der Trailrunning-Spezialist. Tipp für die Stocklänge: Hier gilt in der Regel die Formel 0,66 x Körperhöhe. Mit der Hand am Griff sollte der senkrecht gestellte Stock einen rechten Winkel in der Armbeuge ergeben. Es gibt Stöcke mit fixen Längen und verstellbare Stöcke. «Die verstellbaren kann ich je nach Steilheit bergab länger machen und so noch mehr Energie abfangen, dafür sind sie aber meist schwerer», erläutert Michael.
Barfuss ins Glück
«Barfusslaufen ist extrem schön, und es ist grossartig, wie dadurch die gesamte Körperspannung steigt und der Abdruck an Kraft gewinnt», erklärt Michael und strahlt dabei wie ein kleines Kind. Noch glücklicher sieht er aus, als Valentin am Ende des Kurses mit zwei anderen Läufern spontan beschliesst, nicht mit dem Auto mitzufahren, sondern den Weg nach Hause zu laufen. Spass am Laufen, Spass im Gelände, das wollte Michael heute allen mitgeben. – Es ist ihm gelungen.
Und wie macht ihr das?
Der Outdoor Guide fragt – 2 Profis antworten
Der Outdoor Guide fragt – 2 Profis antworten
Andrea Huser Freiheit, Bewegung in der Natur, Landschaften sehen und erleben.
Martin Anthamatten Für mich bedeutet Trailrunning Freiheit. Man ist nicht auf irgendwelche Wege oder Strassen angewiesen. Das Gelände führt einen in einer logischen Linie.
Wie oft läufst du pro Woche im Schnitt, wie viele Kilometer?
Andrea Huser Das variiert stark, da ich viele Höhenmeter mache und auch ein- bis zweimal pro Woche mit dem Mountainbike unterwegs bin. Ich laufe im Sommer vier bis fünf Mal pro Woche, durchschnittlich 40 bis 60 km und 3000 hm pro Woche. Ich mache einen Ruhetag und einmal wöchentlich Krafttraining, da laufe ich wenig bis gar nicht.
Martin Anthamatten Im Schnitt laufe ich im Sommer zwischen 15 und 25 Stunden pro Woche (je nach Periodisierung der Wettkämpfe). In Kilometern kann ich das nicht so genau definieren, da ich mich sehr viel im steilen Gelände bewege.
Dein sportliches Ziel?
Andrea Huser Ich werde nochmals eine Saison der Ultra Trail World Tour widmen und einige Trails dazwischen absolvieren, die mir gefallen. Die Hauptziele sind dann sicher der Ultratrail du Mont Blanc, und vielleicht werde ich an den Ultratrail-Weltmeisterschaften teilnehmen.
Martin Anthamatten Im Trailrunning möchte ich sicherlich das eine oder andere Skyrace auf dem Podest beenden. Vielleicht versuche ich mich auch mal auf einer längeren Distanz.
Dein Tipp für Trailrunning-Einsteiger?
Andrea Huser Mit kleinen Touren anfangen. Wenn es in die Berge geht, auch abwärts rennen, damit sich die Muskulatur daran gewöhnt. Spass haben und technische Passagen spielerisch laufen, mit kleinen Schritten, vorausschauend und den Untergrund nur «antippen». Ausserdem genügend Kleidung wie Stirnband, Handschuhe, Wind- oder Regenschutz mitnehmen. Essen und Trinken nicht vergessen.
Martin Anthamatten Viele Leute wissen gar nicht, dass sie selbst auch Trailrunner sind. Läufer, die jeden Abend ihre Runde im Wald laufen, sind auch auf Trails unterwegs. Ich will damit sagen, der Begriff Trailrunning ist so weitläufig, jeder kann sich seine Trails je nach Niveau selber aussuchen.
Wie könntest du Couch-Potatoes in die Laufspur bringen?
Andrea Huser Nimm Stöcke und Rucksack mit trockener Kleidung, ein wenig Essen und Trinken mit und laufe einen Berg hoch. Das Glücksgefühl oben wirst du nie vergessen. Das macht Lust auf mehr! Auch schnelles Wandern mit Stöcken kann ein Einstieg sein.
Martin Anthamatten Gut in Form zu sein und Lebensqualität ist mir das Wichtigste. Das sollte es eigentlich für jeden sein.
Andrea Huser
prosport-sigriswil.ch
Martin Anthamatten
anthamattens.ch
Weitere Artikel und Tests
-
Alpin & KletterrucksäckeGetestet
Ortovox Trace Pure 20
Der Ortovox Trace Pure 20 ist ein ultraleichter, reduzierter Tagesrucksack vor allem für aktive Wanderer und Trailrunner, um mit wenig Gewicht und viel Tempo unterwegs zu sein. Design und [..]
Zum Test159.90 CHF2026440 g -
HosenAusprobiert
X-Bionic Effektor 2in1 Shorts
Erster Eindruck und PassformDie zweiteilige Laufshort von X-Bionic überzeugt schon beim Anziehen mit einer passgenauen, sportlichen Silhouette. Die Innenhose reicht bis knapp ans Knie und bietet eine [..]
Zum Test175.00 CHF2025186 g -
Oberteile kurzarmAusprobiert
X-Bionic Corefusion Run Shirt SS
Erster Eindruck und PassformDas X-Bionic Corefusion Run Shirt SS richtet sich an Läuferinnen und Läufer, die an warmen Tagen ein funktionales, aber angenehm leichtes Oberteil suchen. Der Schnitt [..]
Zum Test110.00 CHF2025125 g -
TrailrunningschuheAusprobiert
Hoka Mafate 5
2009 hat Hoka den Markt der Trailrunningschuhe mit dem Mafate revolutioniert. Dessen voluminöse, stark gedämpfte Mittelsohle sollte vor allem das Bergablaufen erleichtern. Genauso auch bei der [..]
Zum Test215.00 CHF2025670 g