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Sicherungsgeräte – welches ist das richtige?

Sicherungsgeräte – welches ist das richtige?
Text: Johannes Wessel | Datum: 19.11.2021
Sicherungsgeräte – welches ist das richtige?
Wer Klettern geht, muss über die entsprechende Ausrüstung verfügen und diese auch richtig anwenden können. Zentraler Bestandteil sind die Sicherungsgeräte, mit denen der Sichernde seinen kletternden Seilpartner vor dem Absturz bewahrt.
 
Lange Zeit war die HMS-Sicherung State of die Art. Später kam der «Tuber» dazu. Bei diesen Methoden muss der Sichernde mit seinen Händen relativ viel Kraft aufwenden, um den Kletterer im Falle eines Sturzes oder beim Ablassen zu bremsen oder zu halten. Bis die nötige Bremswirkung erzielt wird, läuft immer eine gewisse Seilmenge durch das Gerät, weswegen man diese Geräte auch als dynamische Sicherungsgeräte bezeichnet. Da ausschliesslich die Bremshand des Sichernden und keine Mechanik den Kletterer vor dem Absturz bewahren, ist logisch, dass schon kleine Fehler zur Katastrophe führen können. 
 
Daher entwickelten findige Köpfe in den vergangenen 20 Jahren Sicherungsgeräte, die den Sichernden beim Halten mit zusätzlicher Bremskraft unterstützen und sogar im Falle einer Unaufmerksamkeit nicht gleich zum unkontrollierten Sturz führen. Sie haben so klingende Namen wie Grigri, Click Up, Ergo, Megajul, Smart oder Matic. Man kann diese als Halbautomaten bezeichneten Geräte in zwei Gruppen unterteilen: die «Grigri-ähnlichen» Geräte und die Autotuber.
 
Bei korrekter Bedienung kann der Kletterer sowohl mit den dynamischen wie auch den halbautomatischen Sicherungsgeräten vor einem Sturz auf den Boden bewahrt werden. Entscheidend ist bei allen Geräten das Einhalten des «Bremshandprinzips»: eine Hand muss immer den bremsenden Seilstrang umfassen. Hier ist die «Sicherheitsreserve» von halbautomatischen Geräten grösser. Daher werden sie von Experten zum Sichern im Klettergarten und der Halle empfohlen. Bei Mehrseillängen-Routen jedoch sind der HMS und der Tuber nach wie vor für Viele das Gerät der Wahl. Will man nicht über den Körper sondern den Fixpunkt sichern, sind sie sogar unerlässlich.

HMS

Nach wie vor sollte Jeder, der sich an Mehrseillängen-Routen wagt, die Handhabung eines HMS beherrschen. Das Gerät, das ja nur aus einem Karabiner besteht, ist leicht, universell und erlaubt, da es nicht mechanisch blockiert, das leichte Ausgeben und Einholen des Seils. Ausserdem kann man damit optimal über den Fixpunkt sichern. Sie ermöglicht kein Blockieren des Seils und verzeiht keine Fehler. In der Halle und beim Sportklettern sieht man die HMS daher so gut wie gar nicht mehr.
Edelrid HMS Strike FG, HMS
Sicherungsgeräte – welches ist das richtige?
Edelrid HMS Strike FG, HMS
Edelrid HMS Strike FG, HMS
Edelrid, HMS Bulletproof Triple, HMS
Sicherungsgeräte – welches ist das richtige?
Edelrid, HMS Bulletproof Triple, HMS
Edelrid, HMS Bulletproof Triple, HMS

Tuber

Diese Geräte sind ebenfalls dynamische Sicherungsgeräte. Dazu gehören u.a. Reverso (Petzl) die verschiedenen ATCs (Black Diamond – ATC, ATC Guide und ATC Guide Alpin), oder Pivot (DMM). Ihre Vorteile: Sie erlauben geschmeidiges Seilausgeben und Einholen. Ihr grosser Nachteil: Sie erfordern höchste Aufmerksamkeit beim Sichern. Gerade solange der Kletternde noch in Bodennähe ist, muss blitzschnell reagiert werden können. Zudem braucht man zum Abfangen eines Sturzes sowie beim Halten des Stürzenden mehr Handkraft. Im alpinen Gelände haben sie wegen ihrer Universalität und des niedrigen Gewichts Vorteile. Denn man kann mit ihnen über den Fixpunt sichern und mit dem Gerät abseilen. Zum Nachsichern haben die meisten eine «Plattenfunktion», mit der ein oder zwei Nachsteiger optimal gesichert werden können.
Petzl Verso, Tuber
Sicherungsgeräte – welches ist das richtige?
Petzl Verso, Tuber
Petzl Verso, Tuber
Petzl Reverso, Tuber
Sicherungsgeräte – welches ist das richtige?
Petzl Reverso, Tuber
Petzl Reverso, Tuber

Autotuber

Ihr Blockiermechanismus basiert auf einem Klemmmechanismus im Inneren des Geräts. «Platzhirsch» bei den Halbautomaten ist nach wie vor das Grigri, das Petzl vor rund 30 Jahren erfunden hat und einen Meilenstein in der Sicherungstechnik darstellt. Weitere Vertreter sind u.a. das Matik (Camp), der Lifeguard (Madrock) oder das Birdie (Beal) und das Vergo (Trango). Diese Geräte zeichnen sich durch eine hohe Sicherheitsreserve aus, da sie Fehler des Sichernden ausgleichen können. Zudem sind sie Handkraft-unabhängig, beim Halten von Stürzen und wenn der Kletterer Stellen ausbouldert und länger im Seil hängt. Die Handhabung beim Seilausgeben wie auch das Ablassen müssen geübt werden. Vor allem schnelles Seilausgeben ist nicht ganz einfach. Hier spielt die Seildicke und -steifigkeit eine Rolle. Hersteller Petzl hat ein interessantes Tutorial-Video zur Handhabung seines Sicherungsgeräts Grigri sowie Grigri+ erstellt. Hier geht’s zum Video.

Petzl Grigri+ , Autotuber
Sicherungsgeräte – welches ist das richtige?
Petzl Grigri+ , Autotuber
Petzl Grigri+ , Autotuber
Petzl Grigri, Autotuber
Sicherungsgeräte – welches ist das richtige?
Petzl Grigri, Autotuber
Petzl Grigri, Autotuber

Fazit

Grigri-ähnliche Halbautomaten und Autotuber sind beim Sportklettern und in der Halle die Sicherungsgeräte der Wahl. Ob gerade Einsteiger mit einem Halbautomaten oder einem Autotuber beginnen sollten, wird in Expertenkreisen unterschiedlich diskutiert. Chris Semmel, Bergführer, Sicherheitsforscher, Bergsportgutachter und Entwickler des Autotubers Ergo gibt Halbautomaten wie dem Grigri den grössten «Sicherheits-Mehrwert», da sie unabhängig vom benutzten Karabiner und der Bremshandposition funktionieren. HMS und Tuber mit Plattenfunktion zum Nachsichern trifft man mittlerweile fast ausschliesslich bei Mehrseillängen-Routen an. Hier sind sie wegen ihrer universellen Einsetzbarkeit nach wie vor nötig und beliebt. 
 
Übrigens - Hersteller Petzl hat ein hilfreiches Tutorial-Video zur korrekten Verwendungen von Sicherungsgeräten erstellt. Hier geht’s zum Video.