Frostige Folter oder Vergnügen im Freien?
Biwakieren – dieser Begriff umfasst heute alles vom Wildcampen über Schlafen im Freien bis zur Biwakschachtel. Ursprünglich kommt das Wort aus der Militärsprache, vom Niederländischen «bijwacht», Beiwache. Im Unterschied zur stark befestigten Hauptwache war die Beiwache das Nachtlager der Soldaten, die auf dem Feld übernachteten – im Freien oder im Zelt. Die deutsche Bezeichnung «Biwak» und das französische «bivouac» sind diesem Wort entlehnt. Über Freud und Leid eines Biwaks in einer frostig funkelnden Winternacht entscheidet letztendlich die Ausrüstung – genauso wie Erfahrung und die Standplatzwahl. Zusammen mit winterlichen Nachtschwärmern haben wir die wichtigsten Grundlagen und Praxistipps für ungetrübte Träume im «Millionen-Sterne-Hotel» zusammengestellt.
Schön warmhalten – die Ausrüstung
Wild biwakieren – nicht alles ist erlaubt
Gut geschützt – der richtige Platz
Feuchte Kleidung entzieht dem Körper Wärme. Ein Satz trockene Unterwäsche zum Wechseln sollte deshalb auf jeden Fall in den Rucksack.
Nicht kalt in den Schlafsack legen
Vorher lieber nochmals aufwärmen durch Bewegung (Wettlauf durch den Tiefschnee, 10-mal ums Zelt rennen) oder wärmende Getränke.
Wärmflasche
Eine mit Tee oder warmem Wasser gefüllte Kunststoff- oder Aluflasche wirkt im Schlafsack wie eine Wärmflasche. Zusätzlicher Vorteil: Man muss am Morgen weniger Schnee schmelzen. Gut zudrehen nicht vergessen ... Eine zusätzliche Thermosflasche hält die Getränke auch tags-über warm. Wärmende Schlucke auf Tour bringen neue Energie.
Kochen
Benzin oder Gas? Manche Gaskocher funktio-nieren bei tiefen Minusgraden nicht mehr vernünftig, weil das Gas mit weniger Druck aus der Kartusche kommt. Unbedingt vorher checken oder spezielles Gas für Wintereinsätze kaufen. Gefriergetrocknete Fertigmahlzeiten, die mit heissem Wasser zubereitet werden, sparen Gewicht und reduzieren die Kochzeit erheblich (weniger Brennstoff nötig). Beim Brennstoff nicht zu knapp kalkulieren, Schnee in kochendes Wasser zu schmelzen, dauert, und etwas Reserve sollte man zwingend immer haben.
Isolation
Eine dünne Schaumstoffmatte unter der Isomatte isoliert zusätzlich und macht das Schlafen am Boden deutlich angenehmer. Im Notfall helfen auch isolierende Kleidungsstücke.
Warme Füsse
Die Daunenjacke im Fussteil des Schlafsacks sorgt für zusätzliche Isolation. Eine Luxus-Variante bei Pulka-Touren in nordischen Gefilden sind spezielle Basecamp-Daunenschuhe.
Licht
Je nach Breitengrad wird es im Winter ziemlich früh dunkel. Eine verlässliche Stirnlampe mit Reserve-Akku sollte bei keiner Winternacht im Freien fehlen.
Praktisch und geschützt – im Zelt
Minimalkomfort – der Biwaksack
Maulwurf-Taktik – die Schneehöhle
Achtung: Wenn im Inneren der Schnee taut und sich verdichtet, oder die Innenwände vereisen, sinkt der Sauerstoffgehalt in der Höhle, die Kohlenmonoxidkonzentration steigt. Es droht eine Kohlenmonoxidvergiftung (insbesondere beim Kochen), die zur Bewusstlosigkeit und zum Tod führen kann. Deshalb immer eine kleine Lüftungsöffnung in Kopfhöhe und am Eingangsbereich lassen! Bei Schneefall und Wind darauf achten, dass sich diese Öffnungen nicht mit angewehtem Schnee verschliessen.
Romantisch aber zeitaufwendig – das Iglu
Wie funktioniert’s: Mit einem Stock oder einer Schnur skizziert man im Schnee einen Kreis von mindestens zwei Metern Durchmesser. Innerhalb schaufelt man den Schnee möglichst tief aus. So benötigt man weniger Baumaterial. Das besteht aus mindestens 20 bis 30 Zentimeter dicken, einen halben Meter breiten und 30 bis 50 Zentimeter hohen Blöcken, die man am besten mit einer Schneesäge (notfalls auch mit einer stabilen Lawinenschaufel) aus dem festen Schnee schneidet. Eine Schneesäge leistet auch wertvolle Dienste beim Abschrägen der Blöcke, um den nötigen Neigungswinkel für die Rundung und den spiralförmigen Aufbau zu erreichen. Als Fundament nimmt man die massivsten Schneeblöcke, mit zunehmender Höhe dann etwas kleinere. Die Schneeblöcke müssen leicht gegeneinander geneigt sein und sich gegenseitig stützen. Wichtig: Wie in einer Schneehöhle ist auch im Iglu eine Lüftungsöffnung oben überlebenswichtig, der tiefer liegende Eingang sollte als Kältegraben dienen.
Tipp: Ist der Schnee nicht fest genug, aber etwas feucht, kann man die Schneedecke verdichten, indem man sie festtrampelt und sie sich dann ein paar Stunden weiter verfestigen lässt. Wer das Mauern mit Schneeblöcken von der Pike auf lernen möchte, belegt am besten einen Iglubau-Kurs bei einer Bergschule oder bei spezialisierten Outdoor-Veranstaltern.
Chillen mit Chili – geniessen und Kräfte sammeln
Gutenachtgeschichten – Hilfsmittel für herrliche Winternächte
Zelt
Staika
Gewicht (lt. Hersteller): 4000 g
Preis: CHF 1190.90
hilleberg.se
POLARMOND
All-In-One Zelt
Gewicht 5500 g (in Gr. Regular, lt. Hersteller)
Preis: CHF 3195.-
polarmond.ch
Biwaksack
Helium Bivy
Masse: 75 cm (ausgeklappt)/
45 cm (zusammengeklappt)
Preis: CHF 105.-
cascadedesigns.com
Schneeheringe
Snow and Sand Anchor
Schneesäge
Basecamp Saw
Masse: 75 cm (ausgeklappt)/
45 cm (zusammengeklappt)
Preis: CHF 105.-
cascadedesigns.com
Die Alternative zum Übernachten im Freien sind Winterräume auf unbewarteten Hütten. Diese Schutzräume sind mit einfachen Schlafstätten, Decken, Notvorräten und einer Kochgelegenheit ausgestattet. Sämtliche Hütten des SAC sind während der nicht bewarteten Zeit offen, es gibt meistens eine Kasse oder Einzahlungsscheine, die Übernachtung ist in den meisten Fällen sehr günstig (5-10 CHF).
Weissmieshütte
Auf 2726 m gelegen, gute Ausgangsbasis für Skitouren auf das Lagginjoch ((WS-), das Triftgrätli (WS) oder den 4023 m hohen Weissmies (WS). Die alte Weissmieshütte dient heute als Winterraum mit zehn Schlafplätzen. Holz und Wasser vorhanden. Leicht erreichbar im Hohsaas-Skigebiet. weissmieshuette.ch
Tschiervahütte
Das Rosegtal bei Pontresina ist im Winter eine märchenhafte Landschaft. Von der Terrasse der Tschiervahütte aus schaut man auf den scharfen Biancograt. Die Hütte ist Ausgangspunkt für Skihochtouren auf den Piz Morteratsch oder den Piz Tschierva (ZS). Die Hütte ist den gesamten Winter offen, Plätze im Winterraum sind begehrt und sollten bei der Hüttenwirtin angefragt werden.
tschierva.ch
Wildstrubelhütte
Die Wildstrubelhütte an den westlichen Ausläufern des Wildstrubel-Massivs liegt im Winter herrlich einsam mit grandiosen Blicken auf die Walliser Viertausender. Der Winterraum ist komfortabel ausgestattet. Die Hütte ist eine Station der Skitouren-Haute-Route von Les Diablerets nach Kandersteg. Die Gipfel von Mittaghorn und Wildstrubel bie-ten zahlreiche Abfahrtsmöglichkeiten in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.
wildstrubelhuette.ch
Lawinenschaufel
SHAXE SPEED
Schlafsack
Glacier SL 1200
Füllung: 725 cuin Entendaune
Komforttemperatur: -12 °C
Preis: CHF 679.90 (in XL)
mountain-equipment.de
Kocher
OPTIMUS
Polaris Optifuel
Leistung: 3300 Watt (Gas)
4200 Watt (Flüssigbrennstoff)
Preis: CHF 239.-
optimusstoves.com
IsoMatte
NeoAir Xtherm
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