Knapp eine Woche zuvor: Der Start des Abenteuers «70° Nord» verläuft im wahrsten Sinne turbulent. Ein starker Sturm, begleitet von heftigen Schneefällen, zieht über die Lyngen Alps. Schon nach einem Tag steckt die Expedition in Hamnnes auf der Insel Uløya am nördlichen Ende des Lyngenfjords fest, bevor der Segeltörn so richtig begonnen hat. Das Wetter nördlich des Polarkreises wechselt schnell. So schnell, dass die Vorhersage mehr einer wilden Lotterie gleicht denn einer seriösen Prognose. «Das Wetter …», meint Antte lakonisch. «Ich kann mich in Lyngen an keinen Winter mit so vielen schweren Stürmen erinnern.» Der 40-jährige Profiskifahrer weiss, wovon er spricht. Seit knapp 20 Jahren erkundet er die Lyngen Alps per Telemark- und Freerideski, arbeitet als Guide und hilft, den lokalen Lawinenbericht zu erstellen.
Durch den heftigen Wind und gut 50 Zentimeter Neuschnee ist die Lawinenlage äusserst gespannt. Und die Gruppe zum Herumsitzen verdammt. Am Tag zuvor hatte eine grosse Lawine zwei Autos auf der Strasse zwischen Lyngen und Tromsö unter sich begraben. Für die Besatzung um den deutschen Kapitän Philipp Grözinger steht fest: An eine Weiterfahrt in Richtung Norden ist bei dem Sturm nicht zu denken. Antte und seine Kumpels nehmen die Lage mit finnischer Gelassenheit: «Die unbefahrenen Couloirs warten. Und wie es aussieht, warten sie auch noch bis zum nächsten Jahr.»
Geballte Gourmet- und Arktiskompetenz
Tiefschnee im Birkenwald
Die Opal schippert zwischen Uløya und dem Festland durch einen schmalen Seitenarm des Fjords, entlang an kleinen Inseln mit schroffen Felswänden weiter nach Skjervøy. In dem kleinen Örtchen auf Skjervøya, einer der kleinen Inseln vor der Küste, landete nicht nur Fridtjof Nansen 1896 mit seiner Fram nach seiner dreijährigen Arktisexpedition. Der durch eine Bucht geschützte Hafen ist für viele der Nachbarinseln auch die einzige Verbindung in die Zivilisation. «Viele der Siedlungen sind so abgelegen, dass sie nur per Schiff erreicht werden können», erklärt Antte. Im Winter bedeutet das oft wochenlange Einsamkeit. Genau diese Art der Abgelegenheit sucht die Gruppe – Tiefschneehänge, die womöglich noch nie zuvor einem Menschen durchpflügt wurden.
Aussenposten der Zivilisation
Glücklicherweise hat es hier offensichtlich bei Weitem nicht so gestürmt wie in Lyngen. Die Schneedecke scheint stabil. Und am Gipfel klart es auf und zum ersten Mal seit Tagen blitzt die Sonne durch die letzten Wolkenfetzen. Vom flachen Gipfelplateau eröffnet sich ein gigantischer Ausblick auf die umliegenden verschneiten Inseln. 700 Meter unterhalb des Boazovuoncahaca klatschen die Wellen des tiefblauen Nordmeers an die Felsen. Und dort, wo die Sonne auf das Wasser trifft, glitzert es golden. Nach 200 Tiefenmetern über einen breiten, flachen Rücken wartet die erste Rinne. Am Seil gesichert, checken sie akribisch die Schneestabilität. «Sieht gut aus, lass es uns probieren», meint Antte, setzt den ersten Turn und verschwindet in einer Wolke aus Schnee.
Mit dem Beiboot bringt Höskuldur sie grüppchenweise an den Fuss dieserunglaublichen Rinne.»
Alle Infos zu Skitouring-Möglichkeiten,
Übernachtungen, sonstigen Infos zu Lyngen unter
visit-lyngenfjord.com
Ski & Sail
Informationen zur Kombination Ski & Sail
rund um Lyngen. Sechs Tage an Bord inklusive Guide, Mahlzeiten kosten ca. 2950,- CHF.
northsailing.no
Flüge
mit Swiss und SAS ab circa 750,- CHF
Reisezeit
Zwischen Mitte Februar und Ende Mai. Beste Zeit: Ende März bis Ende April.
Die Tage sind länger und die Schneebedingungen sicherer.
Unbedingt
Komplette Lawinenausrüstung, Biwaksack und GPS-Gerät. Sämtliche Gipfel tragen Sami-Namen und sind – zumindest für Mitteleuropäer – unaussprechlich.
Im Notfall kann man so die genauen Koordinaten durchgeben.
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