Bergausrüstung statt Bergzelte
seinen Gästen in den Bergen war und ich als zehnjähriger Stöpsel auch auf ‚meine Berge’ steigen wollte, klaute ich einfach Vaters zweiten ‚Tauern’ Rucksack.» Bald schon konzentriert sich das Unternehmen fast ausschliesslich auf Bergsportausrüstung und wird zum Hauptausrüster zahlreicher Alpinisten.
Vom Tausendsassa zum Spezialisten
«Wo geht es hin?» Schlaflose Nächte plagen den Tüftler. Ein Einfall muss her, um das schwächelnde Unternehmen wieder auf Gipfelkurs zu bringen. Und er kommt – mehr oder weniger beim Zvieri am Berg. «Ich dachte daran, dass viele Wanderer, die ich beispielsweise auf den Hütten traf, über das starke Schwitzen unter dem Rucksack und den folglich nassen Rücken klagten. So kam ich darauf, an diesem Problem zu arbeiten.» Wie lässt sich also ein Rucksack konstruieren, der den Schweiss entweichen lässt und dem Rücken Entlastung bietet? In einer der nächtlichen Denkstunden hat Busch die Idee mit dem Netz, das zwischen Rucksackstoff und Rücken positioniert werden soll.
«Schliesslich zeigte es, dass der Flüssigkeitsverlust beim Wandern durch das belüftete Rückenteil um bis zu einen Viertel reduziert wird.» Der «Aircomfort»-Rucksack – so der Name der Innovation – verhilft dem angeschlagenen Unternehmen 1984 zur Wiedergeburt und macht Deuter zum Branchen-Vorreiter in der Rucksackentwicklung.
Mit Cleverness auf den «Rucksackgipfel»
«Das neue System war die Innovation, die Deuter geholfen hat, zu überleben. Der Vorteil des Belüftungssystems war leicht zu verstehen und damit auch ein unschlagbares Verkaufsargument für die Händler», weiss Kullmann, der dank seiner alpinen Erfahrung und dem Gespür für den Markt bald an die Spitze des Unternehmens klettert. Dass das innovative Belüftungssystem viel Potenzial bot, zeigt auch die Tatsache, dass andere Hersteller sich bei der Entwicklung eigener Modelle sehr bald von Deuter «inspirieren» lassen. Geschickt umgehen die Mitbewerber Deuters Patente und präsentieren ihre eigenen belüfteten Rucksackrücken.
150 UNTERSCHIEDELICHE MODELLE UND 3,8 MILLIONEN VERKAUFTE RUCKSÄCKE IM JAHR»
Die Kombination aus Praxistests und Entwicklung hilft, grundlegende Innovationen voranzutreiben, aber auch Stück für Stück Kleinigkeiten zu verbessern, die am Berg einen grossen Unterschied machen. Trotz Evolution und Verbesserung der bewährten Dinge wächst die Deuter-Palette Jahr für Jahr auch um neue Ideen und Produkte: Kindertragen, Schlafsäcke, MTB-Rucksäcke, um nur einige zu nennen. Die nötige Expertise bringt der Leiter der Produktentwicklung, Steve Buffinton, bei fast 20 Jahren Firmenzugehörigkeit zweifellos mit.
«Wenig Gewicht bringt auch eine Leistungssteigerung mit sich – dass der Rucksack dabei nicht an Komfort und Funktion einbüsst, ist mir ganz wichtig.» Daher kam 2014 die nächste Generation der Aircomfort-Serie mit dem FlexLite-System auf den Markt, ein Rucksack mit höchstem Tragekomfort und gleichzeitig geringstmöglichem Gewicht – pünktlich zum 30-Jahre-Jubiläum des Aircomfor-Systems. «Wir müssen uns ständig bewusst sein, wo wir herkommen und wo wir hinwollen. Innovationen gehören da immer dazu», weiss Bernd Kullmann, der als ehemaliger Geschäftsführer auch seinem Nachfolger Martin Riebel ans Herz gelegt hat, dass das Unternehmen nie stillstehen darf. So kann sich auch 50 Jahre nach Hermann Buhls Erfolg am Nanga Parbat ein jeder Bergsteiger, Wanderer oder Mountainbiker sicher sein, dass er ein Produkt am Rücken trägt, das Perfektionismus und Leidenschaft vereint.
Augsburg-Oberhausen : Gründung der Firma durch Hans Deuter. Die ersten Packsäcke gehen an die königlich-bayerische Post.
1919
Deuter produziert Koffer, Rucksäcke und Zelte zum Verleih. Die grossen Zelte schaffen es bis auf das Oktoberfest in München.
1930
Der erste «Tauern»-Rucksack kommt auf den Markt und Rücken.
1957
Aus dem Familienbetrieb wird die Aktiengesellschaft «Deuter Industriewerke AG-Augsburg».
1972
Deuter stattet das Olympische Team mit Sport- und Reisetaschen aus.
1984
Der Original Deuter-Aircomfort wird geboren. Das neue Tragesystem bedeutet eine Revolution am Rucksackmarkt.
1991
Zusammen mit Transalp-Pionier Andi Heckmair entwickelt Deuter den ersten MTB-Rucksack: Bike I mit Airstripes-System
2006
Mit der SL (SlimLine) Linie entwickelt Deuter Rucksäcke, die auf die weibliche Anatomie zugeschnitten sind.
2011
In Deutschland bekommt der «Drecksack» ein neues Gesicht: Der DAV Summit Club und Deuter rufen die Wanderer auf, den Müll mit nach Hause zu nehmen, um somit die Natur zu schonen.
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