Keine romantisch verklärte Liebe
Seither sind Martina und Thomas immer wieder zurückgekehrt: Sie zogen mit den Nomaden mit, arbeiteten mit den Menschen auf den Feldern, sangen ihre Lieder und brachten ihnen Schweizer Volkslieder bei. Bis heute sind sie beeindruckt davon, wie die buddhistische Religion und ihre Rituale im Alltag integriert sind, wie gross der Respekt vor alten Menschen ist. Wer den beiden Schweizern zuhört, merkt schnell, wie gross ihre Liebe und Faszination für die Menschen und die Natur des höchsten Gebirges der Welt ist, das sich auf einer Länge von rund 3000 Kilometern von Pakistan bis Myanmar erstreckt.
Klar wird aber auch: Es ist keine romantisch verklärte Liebe. Es ist auch eine ganze Menge Pragmatismus mit dabei. Und der ist wohl auch nötig, wenn man sich auf so abenteuerliche Reisen begibt. Martina und Thomas haben sich stets einen klaren Blick bewahrt: Sie sind nicht zum Buddhismus konvertiert, sondern sind gerade wegen der Erlebnisse wieder in die Schweizer Landeskirche eingetreten. «Wenn Nomaden für ihre Tiere kein Futter finden, sterben diese. Dann müssen die Menschen auch ihr Leben als Nomaden aufgeben und eine andere Beschäftigung finden, weil es keine Versicherungen für solche Notfälle gibt», erzählt Martina. Ihre Haltung sei: Das ist unser Schicksal, es ist für uns vorgesehen, wir müssen es akzeptieren. Dem Ehepaar imponieren die Demut und der Gleichmut, mit der Nomaden ihr Schicksal annehmen. Das sei bewundernswert, sagt Thomas, könne aber auch zu einer fatalistischen Haltung führen. Dagegen habe er auch schon versucht anzukämpfen. Als er während eines Winters mit Nomaden am Yar La, dem Sommerpass, in Ladakh lebte, wurde das Futter für die Tiere knapp. Es gab nur eine Rettung: Auf der Suche nach Futter mussten sie den Pass mit knapp 3000 Schafen und Ziegen überqueren. Und zwar bei Schneesturm und minus 30 °C. «Eine absolute Grenzerfahrung», erinnert sich Thomas. Hunderte Tiere starben. Mit diesem «Pass-Desaster» konnte er sich nicht abfinden und regte deshalb an, Futterspeicher zu bauen.
«Wir werden immer Fremde bleiben»
Trotz ihrer grossen Hingabe für den Himalaya waren sie klug und ehrgeizig genug, sich in der Schweiz ein Leben aufzubauen – allein schon wegen der Bildung oder dem Gesundheitssystem. «Aber natürlich auch, weil die Schweiz unsere Heimat ist und wir im Himalaya trotz allem immer Fremde bleiben», sagen beide. So haben Martina und Thomas lieber ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht: Mit dem Reisebüro «Himalaya Tours» organisieren sie jährlich über 140 verschiedene Reisen in den Himalaya. «Thomas ist ein cleverer Typ, sehr tüchtig, effizient und detailversessen», sagt Andreas Hutter. Als Geschäftsführer der Explora Event AG, einem Veranstalter von Expeditions- und Abenteuervorträgen, organisierte er für Thomas Vortragsreisen. Beeindruckt von der grossen Leidenschaft und Neugierde, mit der das Ehepaar den Himalaya bereist, hatte er gehofft, dass Thomas für ihn arbeite. «Aber stattdessen hat er mit seiner Frau ein eigenes Unternehmen gegründet und es mit der gleichen Passion aufgebaut», sagt Hutter und lacht.
Die Kinder geniessen die Zeit auf den Reisen. Gian-Andri mag die Spiele der einheimischen Kinder: «Die machen nicht normales «Fangis», sondern spielen mit dem Pfeilbogen, machen Feuer, werfen Steine oder springen von hohen Felsblöcken.» Larina gefällt vor allem, «dass wir unterwegs sind und immer weitergehen.» Und der kleine Flurin erinnert sich gerne an Thinle, einen 10-jährigen Hirtenknaben, den sie auf dem Trekking durch Bhutan im November 2019 antrafen. Auf knapp 4000 Metern spielte er mit dem Hirtenknaben mit einem Fussball, den sie aus der Schweiz mitgebracht hatten.
Entenfüsse und Hühnerkrallen
Meer, Strand und Pizza
Himalaya Tours
Der Aufbau hatte seinen Preis: In den ersten Jahren habe er jährlich bis zu 500 Überstunden geleistet und oft nachts gearbeitet, sagt Thomas Zwahlen. In diesem Jahr könne er nun erstmals kompensieren und nutze die freie Zeit – natürlich – unter anderem für mehrere längere Reisen in den Himalaya.
himalayatours.ch, himalaya-bilder.ch
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