Im Winter 1998/99 fielen innerhalb weniger Wochen aussergewöhnliche Mengen Neuschnee. Gravierende Lawinenabgänge in der Schweiz und im gesamten Alpenraum waren die Folge. Für die Mitarbeitenden des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) war dies eine Extremsituation mit grossen Herausforderungen. Im Rückblick konnten sie bis heute wertvolle Lehren daraus ziehen.
Die Situation war gekennzeichnet durch eine spezielle Wetterlage: Durch drei Nordweststaulagen kurz hintereinander kam es zu intensiven Schneefällen mit stellenweise zwischen fünf und sieben Meter Neuschnee. Dies führte zu einer äusserst angespannten Lawinenlage. Mehrere Tage lang galt grossflächig die höchste Lawinenwarnstufe.
Die Mitarbeitenden des SLF waren stark in die Bewältigung der Situation involviert: Sie arbeiteten teilweise durchgängig auch an den Wochenenden, nahmen täglich bis zu 500 Anrufe entgegen und halfen bei der Beurteilung der Lage vor Ort. Einige waren selbst durch Strassensperren von ihrem Wohnort abgeschnitten und mussten improvisieren. Die Situation sei nicht nur arbeitsintensiv, sondern teils auch hektisch und angespannt gewesen, erinnert sich SLF-Leiter Jürg Schweizer.
Insgesamt wurden in den Schweizer Alpen rund 1200 Schadenlawinen registriert, die zu vielen Todesfällen und erheblichen Sachschäden führten. Auch im Ausland halfen die Experten des SLF, etwa bei der Untersuchung des Lawinenunglücks in Galtür. Bei dem schwersten Unglück des Winters kamen 31 Menschen ums Leben.
Die österreichische Gemeinde Galtür im Paznauntal wurde am 23. Feburar 1999 besonders stark durch einen Lawinenabgang zerstört.
Im Februar 1999 wurden dank Lawinenbebauungen rund 300 Lawinen verhindert.
Der folgenschwerste Abgang jenes Winters in der Schweiz hatte auch juristische Folgen. Eine Lawine verschüttete Teile der Gemeinde Evolène. Es starben zwölf Menschen. Das Walliser Kantonsgericht verurteilte den Gemeindepräsidenten und den Sicherheitschef wegen fahrlässiger Tötung und Störung des öffentlichen Verkehrs zu bedingten Gefängnisstrafen. Das Urteil sorgte für Unsicherheit der geltenden Sorgfaltspflichten. Das Schweizerische Lawinenforschungsinstitut (SLF) führte daraufhin eine eigene Untersuchung durch, kam aber zum Ergebnis, dass das Urteil die bestehenden Sorgfaltspflichten nicht verschärfte.
Das SLF arbeitete den Lawinenwinter von 1999 auch wissenschaftlich mit zahlreichen Studien und Forschungstätigkeiten auf. Diese Arbeiten führten zu neuen Erkenntnissen und Projekten im Lawinenschutz. Etwa entwickelte das SLF das Interkantonale Frühwarn- und Kriseninformationssystem (IFKIS), das als Vorläufer des heutigen Systems SLFPro diente. Die Forschung betonte auch die Wirksamkeit von Lawinensprengungen als kostengünstige Alternative zu Verbauungen. Gleichzeitig haben Verbauungen zum Schutz vor Lawinen nach wie vor eine Bedeutung. Im Winter 1999 haben so etwa 300 Lawinen verhindert werden können.
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