Rückblende: «Lust auf Winter-Glamping in den Bergen?», lautet der Text meiner SMS. Die Idee: ein Plätzchen, an dem wir uns ein Basecamp der Extraklasse bauen, von dem aus wir schnelle Skitouren unternehmen können, uns mit Gourmet-Speisen verköstigen, ein Iglu mit Schneebar bauen, die Seele baumeln lassen, ein Mix aus Action und Müssiggang. «Mega!» «Voll dabei!» «Unbedingt!»
Verrückt oder leidenschaftlich?
«Wenn’s ganz gruselig werden sollte, machen wir uns einfach im Zelt eine gute Zeit», sage ich heftig schnaufend. Die ersten Meter auf Skiern fühlen sich an, als wäre dieses Vorhaben die dümmste Idee seit sehr langer Zeit gewesen. Egal, Zähne zusammenbeissen, auf die Belohnung freuen. Und wirklich, nach ein paar Hundert Metern haben wir uns «eingesherpat». Allerdings: Die Höhenmeter kommen uns vor wie Zentimeter. In einer Stunde sind Normalo-Skitourengeher locker von der Hütte bis zum Sattel getrabt, wir benötigen dank Schwertransport fast doppelt so lange.
Als es schon dämmert, erreichen wir den Wildseeluggen auf 2493 Metern. Yeeha! Geschafft! Jetzt geht es nur noch leicht bergab. «Verdammt, die Traverse könnte nochmal ungemütlich werden», ruft uns Angelo zu, der als Erster am anderen Sattelende steht. Die Mischung aus warmer März-Tagluft, kalten Nachttemperaturen und starkem Wind hat den Bergflanken unterhalb der Schwarzen Hörner einen knallharten Eisdeckel verpasst. Abwechselnd balancieren wir auf den Kanten, unterstützt von intensivem Stockeinsatz, um kurz darauf bis zu den Knien einzubrechen. Jeder Meter wird zum Kraftakt. Endlich, Bergmaschine Angelo ist vorgeprescht, um einen guten Camp-Spot zu finden, und winkt uns nun zu einer kleinen Ebene, die für den morgigen Tag eine phänomenale Aussicht auf unser Skitourenziel, den Pizol, verspricht.
Im Zeltpalast
Der Palast steht, die Sterne funkeln darüber, als könnte die Wettervorhersage besser nicht sein. In der Ferne schimmert der Nachthimmel orange von den Lichtern der Zivilisation. «Alles richtig gemacht, oder?», fragt Guido mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht. Unwiderstehlich kriecht der Geruch von schmelzendem Käse in unsere Nasen. Auf den Apéro während der Koch-Schneeschmelze war als Potage eine kräftige Rinderbouillon mit schwäbischen Maultäschle und Backerbsen gefolgt. Jetzt dampfen die Pfannen und Töpfe auf unseren Kochern mit üppigen Chäschnöpfli. Es fühlt sich grossartig an, hier zu sein, mit guten Freunden, rassigem Pinot Noir und viel Zeit. Das Leben ist gut – bis Angelo das Wetter per App checkt: «Oh, oh, vielleicht trifft uns morgen starker Föhnwind, das würde ziemlich ungemütlich.» Ok, keine Traumaussichten, aber jetzt ist jetzt, und im Moment können wir eh nichts ändern. Nur nicht die gute Laune verderben lassen!
So gerne wir diesen Abend bis in die Ewigkeit hinauszögern würden, doch müde, satt und warm ist eine todsichere Kombination für ein kollektives Koma. Kurz vor Mitternacht verteilen sich fünf dick aufgeplusterte Daunensärge auf ihren fetten Matten über den Zeltboden, begleitet von männerausflugsüblichem Gesäge.
Patagonien lässt grüssen
Während Spiegeleier, Speck und Toast die Lebensgeister wecken, schmieden wir Pläne. «Lasst uns heute den Pizol vergessen und ein richtiges Luxus-Iglu bauen», schlägt Ben vor. 30 Minuten später schaufeln und sägen fünf Glamper mit vollen Kalorienspeichern um die Wette. Unser eigentliches Tagesziel, den Pizol-Gipfel, können wir nur erahnen, so suppig ist es. Die Grundmauern stehen, doch je tiefer wir die Schneeziegel aus dem Hang sägen, desto offensichtlicher wird, wie miserabel es um den Schneedeckenaufbau bestellt ist. Zahlreiche Schwachschichten durchziehen unsere Bausubstanz, bereits beim Anheben einzelner Schneequader gleiten diese auseinander. Im Konstruktionseifer haben wir kaum bemerkt, wie stark der Wind zugelegt hat. Jetzt müssen wir uns regelrecht dagegenstemmen. «Schnell, das Zelt!», brüllt Guido. Wir sprinten. Die Böen knallen dermassen ins Gewebe, dass sich die Konstruktion bedrohlich verbiegt. So schnell wir können, erhöhen wir die Schneemauer um unsere Bleibe, doch der Wind scheint davon unbeeindruckt, überschlägt sich und drückt mit voller Wucht von oben auf das Zeltdach.
Kriegsrat. Das flatternde Nylongewebe hämmert so laut, dass wir uns fast anbrüllen müssen. Angelo checkt seine Wetter-App: Föhnsturm mit 120 km/h, Lawinenwarnstufe 4 oberhalb
von 2000 Metern …
Rückzug ist die beste Verteidigung
Dort herrscht bei Sonnenschein und Windstille Hochbetrieb, als gäbe es weiter oben kein Lüftchen. «Wie wär’s: Wir nisten uns in einer der Hütten ein und machen uns einen richtig guten Abend», schlägt David vor. Angenommen! Als wir auf der Sonnenterrasse im Shirt sitzen, kommt es uns vor, als wären Zeit und Raum verschoben. Nur die Schneefahnen an den Graten der Schwarzen Hörner lassen erahnen, was dort oben für ein Föhnsturm tobt. «Alles richtig gemacht, oder?», wiederholt Guido grinsend.
Heisse Ware
Tester Ben: «Top geschlafen. Angenehm, dass ich mir keine Sorgen um Feuchtigkeit machen musste.»
MAMMUT
«Altitude Down 5-Season»
Preis: CHF 1299.–
Gewicht: 2145 g (inkl. Packsack)
Füllung: Gänsedaune, 95/5 Daune-Federn-Verhältnis, 800 cuin Füllkraft
Temperaturbereich Komfort: – 30 °C (Herstellerangabe)
mammut.ch
Tester David: «Warum in die Hütte gehen?»
MOUNTAIN EQUIPMENT
«Iceline»
Preis: ab CHF 1099.90
Gewicht: 1886 g
(Grösse Long, inkl. Packsack)
Füllung: Gänsedaune, 90/10 Daune-Federn-Verhältnis, 800 cuin Füllkraft
Temperaturbereich Komfort: – 30 °C (Herstellerangabe)
mountain-equipment.de
Tester Moritz: «Unglaublich warm – den würde ich tatsächlich gerne mal bei – 30 °C testen.»
VALANDRE
«Odin Neo»
Preis: ab CHF 997.–
Gewicht: 1780 g
(Grösse L, inkl. Packsack)
Füllung: Gänsedaune, 95/5 Daune-Federn-Verhältnis, 800 cuin Füllkraft
Temperaturbereich Komfort: – 30 °C (Herstellerangabe)
valandre.com
Tester Angelo: «Einfach ein Schlafgarant!»
EXPED
«DownMat UL Winter»
Preis: ab CHF 254.–
Gewicht: 854 g
(Grösse LW, inkl. Pack- & Pumpsack)
R-Wert: 7
exped.com
Tester Moritz: «Kein Leichtgewicht, aber schön gross und gemütlich.»
SEA TO SUMMIT
«Comfort Plus Insulated Sleeping Mat»
Preis: ab CHF 235.–
Gewicht: 1158 g (Grösse L Rectangular, inkl. Packsack)
R-Wert: 5
seatosummit.com
Tester Guido: «Megaschnelles System – ich will diese Matte haben!»
THERM-A-REST
«NeoAir All Season SV»
Preis: ab CHF 199.–
Gewicht: 672 g
(Grösse Regular, inkl. Packsack)
R-Wert: 4,9
thermarest.com
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